/ Inspiration

Neuanfang mit Gott

"Bisher hast du deinen Glauben an mich so gelebt, wie du es für richtig hieltst. Jetzt, wo du damit fertig bist, möchte ich dir zeigen, wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe."

Gegen Ende meiner Ausbildung zum Pflegefachmann machten sich bei mir zunehmend Symptome einer Belastungsdepression bemerkbar. Ich verlor Appetit und Körpergewicht, konnte nicht mehr richtig schlafen und befand mich sowohl gefühlsmässig, als auch gedanklich orientierungslos, wie im Nebel. Eines Morgens bei der Arbeit im Spital erlitt ich einen Zusammenbruch. Ich stand vor dem Fenster in einem Patientenzimmer und brach in Tränen aus. "Ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr", sprach ich leise vor mich hin.

Kurz darauf sass ich bei meiner Ausbildungsverantwortlichen im Büro. Ich heulte Rotz und Wasser. Sieh riet mir, zum Psychiater zu gehen und machte mir klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich dachte: Das war’s! Jetzt bist du reif für die «Klapsmühle». Einem jungen Kerl wie mir darf doch so etwas nicht passieren. Ich muss doch stark sein. Ich will doch beweisen, dass ich zu den Guten gehöre. Ich muss doch ein Vorbild sein. Ich muss den anderen doch beweisen, dass ich es drauf habe. Ich muss doch... aber ich schaff es einfach nicht. Nicht mehr.

Ich ging zu einem Arzt, der mir empfohlen wurde und begann eine Gesprächstherapie. Wir sprachen miteinander über meine Gedanken- und Gefühlswelt, mein Elternhaus, meine Beziehung zu Gott und meinen Umgang mit meiner Seele. "Mit der eigenen Seele ist es wie mit einem Kind", sagte der Arzt. "Sie braucht liebevolle Führung. Ist man nur streng, schüchtert man das Kind ein und es wird ängstlich, aber auch rebellisch. Wenn man hingegen gar nicht führt, ist Orientierungslosigkeit die Folge. Lerne, deine Seele liebevoll zu führen."

Der Arzt verschrieb mir auch ein Medikament (einen Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer), das meinen Antrieb erhöhte. Er sagte zu mir: «Wenn man sich das Bein bricht, braucht man eine Krücke, bis der Knochen verheilt ist. Diese Pillen lösen keine Probleme. Sie sind nur vorübergehend zur Unterstützung gedacht, bis du wieder genügend innere Stärke entwickelt hast."

Ich verbrachte viel Zeit in der Natur, machte ausgedehnte Spaziergänge und schüttete vor Gott mein Herz aus. Ich fokussierte mich darauf, innerlich in seiner Gegenwart zur Ruhe zu kommen, anstatt etwas für ihn tun zu wollen. Denn dazu fehlte mir die Kraft. Im Gebet erhielt ich den Eindruck, dass Gott zu mir sagte: «Bisher hast du deinen Glauben an mich so gelebt, wie du es für richtig hieltst. Jetzt, wo du damit fertig bist, möchte ich dir zeigen, wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe.» Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ein Neuanfang mit Gott.

Über Wochen und Monate machte sich mehr und mehr ein Gefühl der Freiheit und Annahme in meinem Herzen breit. Ich begann zu verstehen, dass Gott mich unabhängig von meiner Leistung liebt und annimmt. Er freut sich an mir, weil ich sein geliebtes Kind bin. Auch meine Familie, Freunde und Bekannten begegneten mir mit viel Mitgefühl und Verständnis. Das fühlte sich unglaublich gut an. Es war ja eigentlich schon immer so gewesen. Das Problem war, dass ich das bis zu diesem Zeitpunkt nicht annehmen wollte. Nicht annehmen konnte. Weil es dem Leistungs-System meines Herzens wiedersprach.

Ich fand allmählich zurück ins Leben. Der Nebel um mein Herz verzog sich und ich begann wieder Freude und Lebenslust zu empfinden. Ich fühlte mich wie neu geboren. Ich schloss meine Ausbildung nach viermonatiger Verlängerung erfolgreich ab und brauchte nach einem halben Jahr auch die Medikamente nicht mehr. In dieser Zeit lernte ich meine jetzige Frau Joanna kennen und fand bei FCTchurch, unter der Leitung von Heiner und Chris Merk, mein neues geistliches Zuhause.

Der Prozess, den Gott damals einleitete, ging noch über Jahre weiter und ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Aber Gott steht zu seiner Zusage. Er steht zu mir als sein geliebtes Kind. Dass ich wertvoll bin in seinen Augen, dass er sich an mir freut und mich bedingungslos liebt, macht mein Leben lebenswert. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar!

Emanuel Hunziker

Emanuel Hunziker

Mensch, Gotteskind, Sohn, Ehemann, Vater, Freund, Pastor, Songschreiber, Musiker, Geniesser, Träumer

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