/ Inspiration

Wirklich für alle?

Das bedingungslose Erlösungsangebot Gottes konfrontiert mich. Geständnis eines entlarvten Moralapostels.

"Kultur der Ehre" - dieses Thema der aktuellen DNA Predigtserie von FCTchurch hat mich nachdenklich gemacht. Die Predigtreihe aus drei Predigten handelt davon, dass wir alle Menschen achten und ehren sollen, unabhängig von Herkunft, Geschichte, Leistung oder Ansicht. Ich muss schon sagen: Das ist starker Tobak! Denke ich diese Forderung nämlich zu Ende und nehme das alle in alle Menschen wörtlich, so landen ich relativ bald bei Menschen, welche gefühlsmässig meine Ehre so gar nicht verdient haben: Korrupte Politiker. "Abzocker" mit unmoralisch hohen Salären. Prostituierte. Und deren Zuhälter. Rechtsextreme und Neonazis. Schwerverbrecher. Terroristen.

Ist das wirklich so gemeint mit allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschichte, Leistung und Ansicht? Meint Gott das ernst?

Auch wenn es mich herausfordert - ich glaube ja, Gott meint mit alle wirklich alle. Denn Fakt ist: Gott ehrt jeden Menschen, den Er geschaffen hat. Jeder Mensch ist nach seinem Bild geschaffen (1. Mose 1,26). Und jeder Mensch ist Gott so kostbar, dass Er seinen eigenen Sohn als Preis für dessen Erlösung hingegeben hat. Das ominöse alle kommt im wohl bekanntesten Bibelvers zu diesem Thema sogar wörtlich vor:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Die Bibel, Johannes 3,16

Hier ist nicht die moralische Elite gemeint. Das konfrontiert mich zutiefst. In meinen Vorstellungen davon wem Ehre gebührt und meinem Selbstbild, durch meine Lebensweise einen ehrenwerten Status erreicht zu haben.

Gott schätzt jeden Menschen als besonders, wertvoll und ehrenwert ein. Nicht, dass Er darum mit allem einverstanden wäre, was wir Menschen tun. Das ändert aber nichts an der Würde, die uns als menschliche Wesen, geschaffen nach Gottes Bild, gegeben ist. Und genauso, wie die Tür zur Erlösung mir offen steht, steht sie allen Menschen offen. Dem korrupten Politiker. Dem "Abzocker". Der Prostituierten. Und deren Zuhälter. Rechtsextremen und Neonazis. Schwerverbrechern. Terroristen.

Mir ist ein Video wieder in den Sinn gekommen, über das ich vor ca. 3 Jahren gestolpert bin. Eine Botschaft an die ISIS Kämpfer, die mit ihren Gräueltaten im Sommer 2015 täglich die Schlagzeilen beherrschten. Ein respektvoller, aber klarer Aufruf. Eine Botschaft der Liebe. Eine Einladung.

Nach diesem Video war mir wieder schlagartig klar: Das ist wahres, konsequentes Evangelium. So sehr ehrt und respektiert Gott jeden Menschen. So bedingungslos ist sein Wille, für die Schuld aller Menschen gerade zu stehen.

Ja, es ist grauenvoll, abscheulich und zutiefst verwerflich, Menschen zu ermorden, zu vergewaltigen und zu foltern. Es ist krank. Doch Jesus sagt:

Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Die Bibel, Markus 2,17

Baff - der sitzt. Wieder einmal reisst Jesus den frommen Deckmantel weg und konfrontiert mich mit meiner unverhüllten Selbstgerechtigkeit.

Das ist gut so - ich bin ihm dankbar dafür. Denn für alle heisst - Gott sei Dank! - auch: Für mich.

Wirklich für alle?
Teilen

Abonniere den fct blog