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Wenn ein Wunder Geburtstag feiert

Unsere Tochter wird diese Woche ein Jahr alt. Das macht mich glücklich, dankbar und nachdenklich.

Als vor über fünf Jahren unser zweiter Sohn mit einer schweren Hirnblutung sechs Wochen vor Geburtstermin per Notfallkaiserschnitt zur Welt kam, blieb unsere Welt kurz stehen. Am nächsten Tag standen wir mit dem leitenden Arzt an seinem Bettchen auf der Neonatologie. Ich konnte mich knapp aufrecht halten vor Schmerzen, und er erklärte uns seinen Verdacht, warum es zu dieser Blutung gekommen war. Meine Frage, ob es bei einem nächsten Kind wieder passieren würde, beantwortete er mit "ja, mit grosser Wahrscheinlichkeit".

Eine komische Frage, einen Tag nach der Geburt, das Baby in kritischem Zustand, ich selber strapziert von dem Kaiserschnitt. Doch die Frage brannte auf meinem Herzen. Können wir ein drittes Kind bekommen? Ich wollte eine Antwort. Aber nicht nur eine medizinische, auch eine von Gott. Immer wieder wälzte ich diese Frage in meinen Gedanken, meinen Emotionen, meinen Gebeten, in Gesprächen mit Freundinnen, im Austausch mit meinem Mann. Wir fragten gestandene Männer Gottes mit prophetischen Gaben. Lange bekam ich keine Antwort und immer wieder konnte ich die Frage zur Seite legen. Mich ganz auf unsere zwei Söhne konzentrieren, im Jetzt leben, Familie sein, meiner Teilzeitarbeit auf der Intensivstation nachgehen, mich in die Gemeinde investieren.
grayscale photo of lined-up standing people
Photo by Haley Rivera / Unsplash
Eines Tages, als wir während einer Konferenz zu Gott gesungen haben, hörte ich Gott sagen, dass wir noch ein Kind haben werden. Da war diese innere Gewissheit, die gleichzeitig sehr fragil war. Ich getraute mich nicht, es auszusprechen oder jemandem zu erzählen. Denn die nächste Frage drängte sich auf: Ein gesundes Kind? Das sagte mir Gott nicht. Ein Adoptivkind, um das medinzinsche Riskio zu umgehen? Ein Pflegkind vielleicht?
Die Zeit lief, die Erde drehte sich und ich zweifelte. Ich war hin und her gerissen und hielt gleichzeitig an dieser Zusage fest. Von verschiedenen Personen wurde diese Zusage bestätigt, was mich weiter ermutigte, daran festzuhalten. Wir trafen medizinische Abklärungen, sprachen mit Fachleuten, erkundigten uns, was ein möglicher Weg sein könnte, ob es diesen überhaupt gibt. Diesen gab es, mit einem Restrisiko.
Meine Schwägerin bekam das Wort für uns, dass Gott den Zeitpunkt weiss, wann er uns dieses Kind schenken möchte. Das war ermutigend und gleichzeitig stellte sich eine erneute Frage: Wann ist denn dieser Zeitpunkt?

In all den Gedanken, Abklärungen und in allem Abwägen wussten wir, es brauchte einen Schritt im Glauben. Wir, mein Mann und ich, mussten aus Glauben handeln, im Gott-Vertrauen. Doch ist mein Glaube stark genug? Gross genug? Halte ich dem Druck und der Anspannung stand? Und was, wenn es schief geht? Fragen, auf die ich keine direkte Antwort fand, sondern Gott die Antwort war. Mein Vertrauen in ihn, in sein Wort und seine Zusage.

Emanuel hat im seinem Post Aus tiefster Seele geschrieben:

Ich will mich nicht auf ein Wunder verlassen, sondern nur auf den Wunderwirker: Gott selbst. Ich will mit ihm und seinen Möglichkeiten rechnen. Ich will auf seine Treue und sein Eingreifen hoffen.

Nun ist dieses Wunder ein Jahr alt. Unsere Tochter kam gesund zur Welt, auch mit tiefen Blutplättchen, auch mit dem Risiko für eine Hirnblutung, doch sie blieb gesund in den kritischen ersten drei Wochen. Gott hat sein Wort gehalten, die vielen Gebete wurden erhört!
baby on white and gray mat
Photo by Picsea / Unsplash
Es war ein Aufatmen und gleichzeitig ein Luft Anhalten. Was wenn jetzt, am Ziel, doch noch etwas passiert? Verlustängste... Die waren nach der Geburt da und irgendwie haben sie mich in den letzten Wochen wieder eingeholt. Kein schönes Gefühl. Ich muss mich diesen stellen, diesen nachgehen und mich fragen, woher sie kommen.

Ich habe gerne alles im Griff, plane gerne, schaue nach vorne. Gleichzeitig mag ich es nicht, wenn sich Dinge und Umstände verändern in meinem Umfeld. Darum ab und zu innehalten, zurückschauen, genau hinschauen, was da passiert ist - das muss sein. Dann finde ich zu den Wurzeln dieser Ängste. Die Anspannung während der Schwangerschaft war riesig, mein Glaube wurde auf die Probe gestellt. Gleichzeitig wurde ich getragen von der Familie und Freunden, die für uns und das Baby beteten. Das war spürbar, erlebbar. Eine Freundin schenkte mir diese schöne Dose mit einer Rose, eingebettet in Federn und Perlen. Sie sagte zu mir: "So ist dein Baby, geschützt und eingbettet in deinem Bauch und in Gottes Hand." Diese Worte kamen mir immer in den Sinn, wenn ich die Dose sah und es half mir.
Ich kam körperlich und emotional an mein Limit, erholte mich nur langsam und doch hielt ich an Gottes Zusage fest. Ich glaubte an seine Möglichkeiten, richtete meine Gedanken immer wieder darauf aus.

Wenn Wunder passieren, ist das Weltklasse, der Wahnsinn, grossartig! Da ist Freude, Erleichterung, Staunen. Die Welt dreht sich weiter und was passiert mit diesen Gefühlen? Haben sie Bestand? Halten sie dem Druck stand, der mich einholen möchte, weil es ein schwieriger Weg war bis zu diesem Wunder?
Ich muss mich mit meiner Biografie auseinandersetzen, mit dem was war, mit dem was es in mir ausgelöst hat, um frei zu werden und das Wunder auch geniessen zu können. Geniessen können wir unsere Tochter, sie ist herrlich und einfach wunderbar!

Wir feiern Geburtstag, mit Torte und Kerze und Geschenken. Denn unsere Tochter ist ein Geschenk, eine Persönlichkeit, eine Schönheit, ein fröhliches, aufgewecktes Persönlein. Sie ist uns anvertraut, doch mein Vertrauen setze ich weiterhin auf Gott. Er schenkt Gnade, amazing Grace.

sliced cake on cake riser
Photo by Annie Spratt / Unsplash

Wenn ein Wunder Geburtstag feiert
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