/ Psalm 51

Echt und Aufrichtig

Wenn Gott wirklich Gott ist, dann können wir ihm nichts vorspielen, weil er alles sieht und weiss. Echtheit und Aufrichtigkeit sind daher Schlüsselqualifikationen für ein Leben mit dem Allmächtigen.

Dieser Artikel ist der 4. Teil einer fortlaufenden Serie mit Gedanken zum Psalm 51.

  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)

Echte Aufrichtigkeit

Du freust dich, wenn ein Mensch von Herzen aufrichtig ist; verhilf mir dazu und lass mich weise handeln! Psalm 51,8

David kehrt am moralischen Tiefpunkt seines Lebens zu der entscheidenden Eigenschaft zurück, von der er aus Erfahrung weiss, dass sie Gottes Herz bewegt: Aufrichtigkeit. Er weiss, dass er mit Gottes Gnade rechnen darf, wenn er echt und aufrichtig zu ihm ist. Gleichzeitig bittet er Gott um Hilfe beim Aufrichtig sein. David ist also nicht etwa Stolz auf seine Aufrichtigkeit, sondern bekennt, dass er ohne Gottes Hilfe unfähig ist, konstant und in jeder Lebenslage echt und aufrichtig zu sein und weise zu handeln. Gott musste ihm den Propheten Nathan in den Palast schicken, sonst wäre David nicht auf die Idee gekommen, seine Sünde zu erkennen und sie dann auch aufrichtig zu bekennen. David bekennt, dass auch die besten Eigenschaften in seinem Leben nur dann zum Vorschein kommen, wenn Gott ihm dabei hilft. Ein demütiges Bekenntnis.

Mann alleine in Wildnis
Photo by Jamie Street / Unsplash

Echte Reinheit

Reinige mich von meiner Schuld, dann bin ich wirklich rein; wasche meine Sünde ab, dann bin ich weisser als Schnee! Psalm 51,9

David formuliert nochmals seine eindringliche Bitte – wie schon in Vers 4 – die Bitte um Reinheit. Für ihn gibt es keinen anderen ausser Gott, der ihn von seiner Schuld total rein waschen kann. Weisser als Schnee bedeutet: Weisser als das weisseste Weiss das ich kenne. David bittet also um totale Reinheit für sein Herz. Und siehe da: Sein Wunsch deckt sich nicht nur mit Gottes Wunsch für uns Menschen, sondern auch mit Gottes Fähigkeit, diesen Wunsch zu erfüllen.

Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei. Joh 8,36

Wenn der Sohn (Gottes = Jesus) dich reinigt, dann bist du wirklich rein. David weiss, dass er selbst nichts tun kann, um diese Reinheit aus eigener Anstrengung zu bewirken. Kein Opfer, das wir Menschen bringen können, kann uns von unserer Sünde reinwaschen. Nur Gottes Sohn selbst kann dieses Opfer vollbringen.

Gelbe Warnschilder die auf nassen Boden hinweisen
Photo by Oliver Hale / Unsplash

Jede Sünde hat ihre Konsequenzen

Du hast mich hart bestraft; nun lass mich wieder Freude erfahren, damit ich befreit aufatmen kann! (Psalm 51,10)

Gott vergibt unsere Schuld und wäscht uns rein von aller Ungerechtigkeit. Doch das bedeutet nicht, dass damit auch gleich alle Konsequenzen unserer bösen Taten beseitigt sind. Wenn du eine Bank ausraubst, kommst du ins Gefängnis. Wenn du kurzentschlossen mit jemandem schläfst und dabei ein Kind zeugst, nimmt Gott dieses Kind nicht einfach zurück, nur weil du danach merkst, dass das gar nicht dein Partner fürs Leben ist.

Wie wärs mit einem konsequenten Gott?

Wir haben unsere liebe Mühe mit einem strafenden Gott. Wie wärs mit einem konsequenten Gott? Wenn wir nicht lernen, dass unsere Taten Konsequenzen haben, werden wir in unserer Persönlichkeit nicht reifen und erwachsen werden, sondern bleiben selbstzentriert und störrisch. Konsequenzen helfen uns, die Realität objektiver zu beurteilen und denselben Fehler nicht x-mal zu wiederholen.

David hat die Konsequenzen Gottes akzeptiert. Wir lesen in 2. Samuel 12, dass der neugeborene Sohn von David und Batseba schwer krank wurde und starb. Während das Kind noch krank war, fastete David, schlief über Nacht auf dem Boden und flehte vor Gott um Gnade für das Kind. Doch als es dann starb, wusch er sich, kleidete sich und ging ins Haus Gottes, um Gott anzubeten. Seine Diener verstanden sein Verhalten überhaupt nicht. War David kaltherzig? Wohl kaum. War ihm sein Kind gleichgültig? Im Gegenteil. David hatte eine Ewigkeits-Perspektive. Er verstand, dass sein Sohn ihm schon voraus gegangen war in die Ewigkeit und er ihn wiedersehen würde, wenn er selbst durch den Tod ins ewige Leben hinübertritt. In diesem Verhalten schimmerte seine konsequente Art und sein fester Glaube an das Leben nach dem Tod in Gottes Gegenwart durch. Er tröstete seine Frau Batseba, sie wurde erneut schwanger und gebar nochmals einen Sohn: Salomo!

Er wollte entschlossen zurückfinden zu der Freude und Freiheit.

David wollte in seiner Beziehung zu Gott nicht bei den harten Konsequenzen stehen bleiben, die seine Sünde ihm und seiner Familie eingebracht haben. Nein, er wollte entschlossen zurückfinden zu der Freude und Freiheit, die in Gottes Gegenwart jederzeit vorhanden sind. David ging zielbewusst zurück zu dem Faktor, der sein Leben so aussergewöhnlich machte: Eine anbetende Beziehung zu Gott, bei der Gott an allererster Stelle steht.

Mann in Hocke der in Seitenstrasse nachdenklich nach unter sieht
Photo by Olhar Angolano / Unsplash

Gott vergibt gerne und sofort

Sieh nicht länger auf meine Schuld, vergib mir alle meine Sünden! (Psalm 51,11)

David versteht und anerkennt, dass Gott mit Schuld und Sünde nicht gleichgültig umgeht. Wenn es zum Himmel stinkt, muss ausgemistet werden! Wenn Sünde in meinem Leben ist, dann kann Gott nicht so tun, als ob nichts wäre. Gott ist kein Schönredner. Aber auch kein Moralist, der verdammt. Er ist unser Retter und Erlöser, und will uns Menschen erlösen von allem Bösen. Gott richtet seinen Fokus auf unsere Sünde, weil er weiss, dass es ein zerstörerisches Gift ist für unser Herz und unsere Beziehung zu ihm, unseren Mitmenschen und uns selbst zerstört.

Gott ist radikal, wenn es um Sünde geht.

Wenn Gott also mit dem Finger auf die Sünde in unserem Leben zeigt, dann tut er es aus inniger Liebe und Barmherzigkeit, weil er uns von der Last und zerstörerischen Kraft des Bösen befreien will. Darin ist er konsequent. Gott ist radikal, wenn es um Sünde geht.

Mann schaut in Wasserfall bei Abendstimmung
Photo by Taylor Leopold / Unsplash

Als der Prophet Nathan David wegen seiner bösen Taten stellt, bekennt sich David in 2. Samuel 12,13 sofort schuldig mit den Worten: »Ich habe gegen den HERRN gesündigt.« Darauf antwortet der Prophet Nathan: »Der HERR hat dir vergeben, du wirst nicht sterben.«

Willst du ihn nicht noch ein wenig im Dreck liegen lassen, diesen Übeltäter?

Man könnte sich an dieser Stelle fragen: "Ist das nicht ein wenig schnell, lieber Prophet Nathan? Du hältst David eine Moralpredigt und bringst knüppelharte Beweise für seine grausamen Taten und sobald er zugibt, dass er gegen Gott gesündigt hat, vergibst du ihm sofort? Sollte da nicht noch mehr kommen von David? Vielleicht eine Jammerleier wie sehr er es bereut und wie sehr er sich nun selbst hasst und wie sehr er sich dafür schämt und wie sehr er sich ekelt vor sich selbst und wie klein er sich nun fühlt? Willst du ihn nicht noch ein wenig im Dreck liegen lassen, diesen Übeltäter? Verdient hätte er es allemal! Er soll sich wieder einmal so richtig mies fühlen, dieser Schuft!"

Kann sein, dass wir Menschen so reagieren würden. Vielleicht auch nur in unseren Gedanken. Vielleicht wäre dies auch Nathans menschliche Reaktion gewesen. Aber Nathan ist nicht in eigener Sache unterwegs, er repräsentiert Gott und reagiert darum gemäss Gottes Herz.

Vater und Sohn lachen sich an
Photo by Sebastián León Prado / Unsplash

Diese Reaktion von Gott, dass er David sofort vergibt als dieser seine Tat bereut, ist immer wieder verblüffend und erinnert sofort an andere bekannte Geschichten aus der Bibel.

Zum Beispiel die Geschichte des Propheten Jona, der Gottes Strafgericht über Ninive prophezeit und sich ein ganzes Kapitel lang grün und blau ärgert, dass Gott sein Gericht sofort zurückzieht, als die Menschen von Ninive einen Anflug von Reue zeigen. Jona findet das völlig unangebracht, beschimpft Gott mit Vorwürfen und lernt ihn durch seine Antworten erst richtig kennen.

Oder der verlorene Sohn in Lukas 15, der in seiner gut einstudierten Reuerede von seinem Vater unterbrochen wird, nachdem er die Worte spricht:

›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert...‹

Worauf der Vater ihm ins Wort fällt und ruft:

›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹

Durchaus verblüffende Reaktionen auf Reue, die uns etwas über Gottes Herz zeigen:

  1. Für Gott ist das allerwichtigste eine intakte Beziehung zu uns Menschen, die frei ist von allem Bösen und Raum hat für bedingungslose Liebe.
  2. Jede Tat-Sünde bringt Konsequenzen mit sich, die wir oder unsere Mitmenschen tragen müssen. Öfter als wir denken bewahrt uns Gott in seiner Gnade vor den direkten Konsequenzen unserer bösen Taten, aber eben nicht immer, weil wir sonst nichts daraus lernen würden.

Frau steht vor Hantel
Photo by Victor Freitas / Unsplash

Gott beseitigt die schwerste aller Konsequenzen selbst

Die schwerste aller Konsequenzen will Gott aber auf jeden Fall beseitigen, wie hier bei David, als Gott ihm sagen lässt: Du wirst nicht sterben. Es geht hier um mehr als den physischen Tod. Es geht um die ewige Trennung zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen. Gott liebt uns Menschen so sehr, dass er diese Konsequenz selber beseitigen will, indem er selbst den Tod auf sich nimmt und an unserer Stelle die Konsequenzen unserer Sünden trägt.

Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Jesus rief am Kreuz:

»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mk 15,34)

Damit Gott die Bitte Davids aus Vers 11 erfüllen kann: »Sieh nicht länger auf meine Schuld, vergib mir alle meine Sünden!« muss Gott die Schuld von David nehmen und jemand anderen dafür bezahlen lassen. Gott tat es selber für David, indem er Mensch wurde und an Davids Stelle trat. Und er tut es für jeden Menschen, der sich reumütig an ihn wendet.

Älteres Paar umarmt sich liebevoll
Photo by Gus Moretta / Unsplash

Gott hat unsere Schuld, Scham und Schande auf seinen Sohn Jesus Christus geladen und musste seinen Blick von ihm abwenden, was der allergrösste Schmerz im Leben von Jesus auslöste. Doch Jesus tat es für David und Jesus tat es für Dich und mich!

Wenn wir unser Vertrauen auf Jesus setzen, werden wir frei von allem Bösen.

Wenn wir unser Vertrauen auf Jesus setzen und ihm erlauben, dass er unsere Schuld, Scham und Schande auf sich nimmt, dann werden wir frei von allem Bösen und frei, um Gott zu sehen und in seiner Gegenwart zu leben!

Wie bei David, den Leuten von Ninive und beim verlorenen Sohn ist Gott bereit, uns sofort von unserer Schuld zu befreien und uns als liebevollen Vater zu begegnen, sobald er von uns hört, dass wir uns vom Bösen abwenden und zu ihm umkehren wollen.

Fater und Sohn lachen sich an
Photo by Nathan Anderson / Unsplash


  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)

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