/ Frau sein

Dazugehören beginnt im eigenen Herzen

Am Frauentag der FCTchurch wurde nicht nur über das Thema "Dazugehören" gesprochen, sondern es wurde auch gelebt: Begegnungen mit echtem Interesse aneinander gehörten ebenso dazu wie die Referate, feines Essen und Musik.

Ich fühlte mich vom ersten Moment an willkommen und angenommen. Die Begrüssung an der Türe war herzlich, bei Kaffee und Gipfeli kamen Frauen auf mich zu. Am Frauentag der FCTchurch wurde nicht nur über das Thema "Dazugehören" gesprochen, sondern es wurde auch gelebt. Natascha Wälti hatte zum ersten Mal an einem Frauentag teilgenommen und resümierte: "Mich hat es begeistert, wie die Gemeinschaft gelebt wird und die Frauen aufeinander zugehen."

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FCTchurch ist eine reformierte Freikirche mit fünf Standorten. Nachdem die Standorte Tägerwilen und Romanshorn bereits Gastgeber eines Frauentags gewesen waren, fand dieser Frauentag zum ersten Mal in Effretikon statt. Die Frauen vom Standort Effretikon erwiesen sich als grosszügige Gastgeberinnen, die mit ihrem Engagement viel zur warmen Atmosphäre beitrugen. Katrin Carrel hat den Frauentag als Hauptorganisatorin geleitet. Sie erzählte: "Nachdem wir unsere Räumlichkeiten am Standort Effretikon renoviert hatten, wollten wir unbedingt die Gastgeberinnen des nächsten Frauentages sein. Die Gastfreundschaft ist eine grosse Stärke unseres Standorts und wir waren ein gutes Team. Auch von den anderen Standorten erhielten wir Unterstützung." Frauen vom Standort Münchwilen backten Kuchen, Sandra Haltmeier vom Standort Romanshorn leitete gemeinsam mit Eliane Tomasi vom Standort Effretikon durch den Tag.

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Rund 60 Frauen hörten verschiedene Referate zum Thema "Dazugehören - von der Suche nach Gemeinschaft, die trägt". Katrin Carrel zitierte in ihrem Referat die Sozialwissenschaftlerin Brené Brown, die untersucht hatte, was wahre Zugehörigkeit bedeutet:

Wahre Zugehörigkeit geschieht, wenn wir unsere echte, authentische und unvollkommene Persönlichkeit der Welt zeigen.
Unser Zugehörigkeitsgefühl kann nie grösser sein als unsere Selbstannahme. Wahre Zugehörigkeit ist nicht etwas, dass wir von anderen empfangen oder erreichen; es ist etwas, das wir in unserem Herzen tragen.

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Referentin Rahel Sondheimer ist Theologin und individualpsychologische Beraterin. Sie beleuchtete das Thema von der individualpsychologischen Seite. Sie betonte, dass das Gefühl des Dazugehörens eine persönliche Entscheidung sei und viel damit zu tun habe, ob man sich wertvoll fühle. Darum forderte sie die Frauen während ihres Referats auf, ihrer Sitznachbarin aufzuzählen, was sie an sich selbst wertvoll finden. Keine leichte Aufgabe! Rahel erklärte:

Die eigenen Stärken zu kennen und zu formulieren ist befreiend und entspricht den biblischen Prinzipien. Wir müssen uns nicht verstecken.

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Anhand eines Modells von Theo Schoenaker zeigte sie auf, wie das Zugehörigkeitsgefühl entsteht: Auf dem Fundament der Ermutigung braucht jeder Mensch die Wertschätzung seiner Person (Annehmen) und seiner Leistung (Verhalten). Sie riet den Müttern, ihre Kinder nicht nur dann zu ermutigen, wenn sie etwas Aussergewöhnliches geleistet haben. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Kinder dann nur aufgrund ihrer Leistung zur Familie zugehörig fühlten.

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Gott gibt uns pure Annahme unserer Person.

Mit dieser Feststellung zeigte Rahel Sondheimer schlussendlich auf, wie bedingungslose Annahme - ein Pfeiler der Zugehörigkeit - im Glauben an Jesus gefunden werden kann.

Praktische Lebensberichte bildeten einen weiteren Schwerpunkt des Tages. Chris Merk erzählte aus ihrem bewegten Leben, wie sie als Engländerin vor 47 Jahren in die Schweiz kam und sich bald an keinem Ort mehr zugehörig fühlte: In der Schweiz stiess sie aufgrund ihrer Andersartigkeit auf Ablehnung, in England fühlte sie sich jedoch auch bald nicht mehr zu Hause. "Weder Fisch noch Vogel - oder beides?", so lautete das Thema ihres Referats. Sie beschrieb auf berührende Art und Weise, wie sich ihre englischen Wurzeln nach anfänglichem Ausgeschlossen sein als grosser Vorteil entpuppten, als sie mit ihrem Mann um die Welt reiste und auch in der Schweiz gute Englischkenntnisse immer gefragter wurden. So kam sie zum Schluss, dass sie beides war: Fisch und Vogel. Eine Engländerin und eine Schweizerin gleichzeitig, mit einem bulgarischen und sambischen Herzen in ihrer Brust: Sohn und Schwiegertochter leben heute in Bulgarien, in Sambia leitet sie ein Hilfswerk und setzt sich für Kinder in Not ein.

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Auch Eva Londino erzählte aus ihrem Leben, wie sie aufgrund einer starken Sehbehinderung mit sechs Jahren ihre Familie verlassen musste, viele Jahre später jedoch ein sechsjähriges Mädchen adoptieren und ihm so ein Zuhause und Zugehörigkeit schenken durfte.

Abgerundet wurde der Tag mit Musik, feinem Essen, inspirierenden Gesprächen und Begegnungen zwischen den Referaten.

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Denise Gasser, vierfache Mutter und Familienfrau, sagte rückblickend: "Es hat mich zum Denken angeregt, dass ich bei meinen Kindern Leistungsdenken fördere, wenn ich nur ihr gutes Verhalten lobe. Die Referate haben mich angespornt, mein Gegenüber mehr zu ermutigen und weniger die Fehler hervorzuheben, besonders in der Ehe." Und Hanni Schneiter fügte hinzu: "Das Fundament der Ermutigung ist so wichtig. Ich möchte diese bedingungslose Annahme, die ich in meinem Glauben an Jesus finde, anderen Menschen weitergeben, indem ich sie unabhängig von ihrer Leistung wertschätze und ermutige."
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Ursi Gasser

Ursi Gasser

Frau, Ehefrau, Familienfrau, Pflegefachfrau mit Weiterbildung auf Intensivpflege, freischaffende Journalistin

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