/ 7 Begegnungen mit Jesus

38 Jahre

Er ist seit 38 Jahren gelähmt und am Punkt der totalen Hoffnungslosigkeit angekommen. Jesus findet ihn und stellt ihm eine entscheidende Frage.

Das ist der dritte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie du und ich.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Was ist in den letzten 38 Jahren in deinem Leben geschehen?

38 Jahre - so lange lebe ich ja noch nicht mal! Ich bin erst 33. Vor 33 Jahren begann mein Leben damit, dass ich Windeln trug. Ich bin viele Jahre zur Schule gegangen, zuerst in die Grundschule, dann in die Oberstufe, anschliessend vier Jahre an die Kantonsschule. Ich habe als Praktikantin in der Pflege gearbeitet, zuerst am Kantonsspital Schaffhausen, später am Kantonsspital Münsterlingen. In der Schokoladenfabrik Bernrain habe ich am Fliessband gearbeitet und Ostereier verpackt. Ich war mehrere Monaten in England. Anschliessend bildetet ich mich zur Pflegefachfrau aus. Ich habe meinen Mann David kennengelernt und wir haben geheiratet. Es folgte ein Nachdiplomstudium in Intensivpflege. Ich bin durch Kanada gereist. Ich habe zwei Kinder geboren.

Ich darf auf 33 spannende Jahre zurückblicken, die gefüllt sind von den unterschiedlichsten Tätigkeiten an den unterschiedlichsten Orten.

Die Bibel berichtet von einem Mann, der 38 Jahre lang krank war. 38 Jahre - länger als ich auf dieser Welt lebe.

Eine bittere Hoffnung

Johannes ist der Autor dieser wahren Begebenheit. Er war ein enger Vertrauter von Jesus und mehrere Jahre mit ihm unterwegs. Er hat seine Erlebnisse mit ihm festgehalten. Seine Berichte sind uns bis heute unverändert erhalten geblieben.
Johannes schreibt von diesem Mann, der 38 Jahre seines Lebens völlig anders verbracht hat als ich: 38 Jahre lang konnte er nichts anderes tun, als herumliegen. Was er täglich sah, waren andere Kranke: Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte. Das war seine Welt. Er lag 38 Jahren lang am Teich Bethesda.


Photo by Tom Butler / Unsplash

Der Teich Bethesda war immerhin ein Hoffnungsschimmer und gleichzeitig der Grund, warum sich all die Kranken dort versammelt hatten: Sie warteten auf eine bestimmte Zeit, wann sich das Wasser im Teich bewegte. Wer dann als erster ins Wasser stieg, wurde geheilt.
Doch was nach aussen wie ein Hoffnungsschimmer aussah, barg bei näherem Betrachten eine grausame Bitterkeit: Selbst unter den Kranken und Ausgestossenen fand ein Konkurrenzkampf statt, der über den ganzen Rest des Lebens dieser Menschen entschied. Bitter ist auch, dass dieser eine kranke, gelähmte Mann, von dem Johannes schreibt, 38 Jahre lang niemanden hatte, der ihm half, das Wasser als erster zu erreichen. Er hat also geschlagene 38 Jahre damit verbracht, herumzuliegen, während er von anderen kranken Menschen umgeben war. Ein Zustand abosluter Hoffnungslosigkeit.

Willst du gesund werden?

Nach 38 Jahren betritt Jesus die Szene. Eigentlich ist er unterwegs zu einem Fest. Auf dem Weg dorthin schenkt er denjenigen Menschen seine Aufmerksamkeit, die nicht am Fest teilnehmen können, den Kranken am Teich Bethesda. Bei dieser Begebenheit ist es nicht der Kranke, der Jesus sucht, um von ihm geheilt zu werden, wie in vielen anderen solchen Begegnungen. Es ist Jesus, der die Kranken besuchen will und diesem Mann begegnet.

Jesus beginnt ein Gespräch mit dem kranken Menschen. Er begegnet ihm auf Augenhöhe. Das Gespräch ist gekennzeichnet von Würde und Respekt. Jesus spricht ihn an und stellt ihm eine Frage: "Willst du gesund werden?"
»Herr, ich kann nicht«, sagt der Kranke, »denn ich habe niemanden, der mich in den Teich trägt, wenn sich das Wasser bewegt. Während ich noch versuche hinzugelangen, steigt immer schon ein anderer vor mir hinein.«

kreise wasser
Photo by Caroline Grondin / Unsplash

Enttäuschung und Leid in Worte fassen

Anhand dieser Begebenheit erfahren wir, dass Jesus daran interessiert ist, dass wir unser Leid äussern und unsere Hoffnungslosigkeit in Worte fassen. Gott hört dein und mein Gebet! Er ist keine Heilungsmaschine, die auf Knopfdruck ausspuckt, was wir wollen. Gott ist die Liebe in Person.
Er möchte uns echt begegnen und ist an dem, was uns gerade bewegt, interessiert. Es scheint sogar Gottes Strategie mit uns zu sein: Damit neue Hoffnung und Perspektive in unsere Leben kommen kann, muss zuerst die Hoffnungslosigkeit wahrgenommen und in Worte gefasst werden.

Der leidende Mann war so lange krank, dass er seine Hoffnung auf Besserung aufgegeben hatte und sich an einem Strohhalm festhielt, der ihn nicht erlösen konnte, weil ihm niemand half. Weil ihm andere seine Chance immer vor der Nase wegschnappten.
Solche Erfahrungen lassen mit der Zeit eine traumatische Erfahrung entstehen, die einen Menschen innerlich blockieren und zerstören, so dass er gar nicht mehr anders kann, als aufzugeben.

Jesus jedoch hat ganz andere Wege, wie er uns aus unserer Hoffnungslosigkeit herausholen möchte.
Die Bibel berichtet über den Ausgang des Gesprächs: "Jesus sagt zu ihm: »Steh auf, nimm deine Matte und geh!« Im selben Augenblick war der Mann geheilt! Er rollte die Matte zusammen und begann umherzugehen."


Photo by Andre Hunter / Unsplash

Der Ruf

Jesus hat die Macht und Fähigkeit, dich und mich aus langjährigen Mustern der Resignation und Hoffnungslosigkeit zu befreien. Er sieht uns, auch wenn wir krank sind - im Herzen oder am Körper. Er möchte uns Worte des Lebens zusprechen. Seine Worte haben die Kraft, Neues zu schaffen.
Wenn Jesus uns ruft, ist das immer ein kraftvoller Ruf.
Ein Ruf, der befähigt.
Ein Ruf, der befreit.
Ein Ruf, der uns aus alten Limitationen, Mustern und Vorstellungen herausreisst.

Wann hast du das letzte Mal mit Jesus über deine Resignation gesprochen und ihm gesagt, was dich bewegt?
Ich möchte dich ermutigen, es gleich jetzt zu tun - er ist nur ein Gebet weit entfernt!


Das ist der dritte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie du und ich.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Danke Emanuel Hunziker für die Inspiration zu diesem Artikel!

Ursi Gasser

Ursi Gasser

Frau, Ehefrau, Familienfrau, Pflegefachfrau mit Weiterbildung auf Intensivpflege, freischaffende Journalistin

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