/ 7 Begegnungen mit Jesus

Nur ein Wort

Ein Staatssekretär setzt seinen Ruf aufs Spiel, um seinen Sohn zu retten. Doch er erhält eine kränkende Abfuhr. Wie reagiert er?

Das ist der vierte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie dir und mir.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Eigentlich hätte er es nicht nötig gehabt. Eigentlich ist es ja unter der Würde und dem Status eines Staatssekretärs für internationale Wirtschaftsbeziehungen, sich die Sandalen an die Füsse zu schnallen und den weiten, staubigen, mühsamen Weg in ein kleines Dorf namens Kana auf sich zu nehmen. Warum nur tat er es? Einzig um dort einen Wanderprediger zu treffen, der von sich reden gemacht hatte und gleichzeitig suspekt war. Die Leute, die er um sich scharte, waren Fischer, Zöllner und noch weitere mit zweifelhaftem Ruf. Dieser Wanderprediger hatte sich auch immer wieder mit der religiösen Elite des Landes angelegt und scheinbar keine Konfrontation gescheut.

Eigentlich hätte er es nicht nötig gehabt. Er, der Staatssekretär! Er hätte einen Diener schicken können. Schliesslich war er ein hochangesehener und nobler Mann. Ein Spitzenbeamter des Königs. Der Wanderprediger Jesus hätte bestimmt auf seine Einladung reagiert! Eigentlich hatte noch gar nie jemand eine Einladung von ihm, dem Staatssekretär, ausgeschlagen.

Wahrscheinlich gingen ihm all diese Gedanken durch den Kopf, als er schweissüberströmt einen Fuss vor den anderen setzte, das Gebirge erklomm und die staubige Luft der Stassen einatmete. Warum nur nahm er das alles auf sich?


Photo by Piero Istrice / Unsplash

Er, der Staatssekretär, war zutiefst verzweifelt. Als solcher hatte er Zugang zu den besten Ärzten. Zugang zum gesamten Können und Wissen der damaligen Zeit. Bestimmt hatte er alles versucht, um seinen kranken Sohn zu retten. Aber ein Arzt nach dem anderen hatte die Hoffnung aufgegeben. Und jetzt lag sein Sohn im Sterben.

In der Bibel lesen wir von dieser wahren Begebenheit. Johannes, der Autor, war ein enger Vertrauter von Jesus und mehrere Jahre mit ihm unterwegs. Er hat seine Erlebnisse mit ihm festgehalten. Seine Berichte sind uns bis heute unverändert erhalten geblieben.
Wenn wir dort lesen, dass der Sohn dieses Elitebeamten im Sterben lag, bedeutet das, dass man schon mit den Vorbereitungen begonnen hatte, um den jungen Mann zu begraben. Man hatte wahrscheinlich schon die Verwandten informiert und das Öl für die Einbalsamierung bereitgestellt. Eigentlich konnte man nur noch warten.

Ein ausgeklügelter Plan

Und da hörte der Staatssekretär, dass Jesus, dieser Wanderprediger, wieder in der Region aufgetaucht war. Er wusste, dass er seltsame Aussagen machte, wie beispielsweise, dass er Gottes Sohn sei. Doch er wusste auch, dass er übernatürliche Kräfte besass, weil er an einer Hochzeit in Kana 600 Liter Wasser in Wein verwandelt hatte.

Dem Vernehmen nach hielt sich dieser Jesus in Kana auf, dem kleinen Dorf, das 30 Kilometer von Kafarnaum, dem Wohnort des Staatssekretärs, entfernt lag. Er hätte einen Diener schicken können. Doch es scheint so, dass er sich bewusst gewesen sein musste: Wenn er seinen Sohn noch retten wollte, musste er alles in die Waagschale werfen. Gleichzeitig war er sich auch bewusst, dass ihn das seinen Ruf würde kosten können. Er, der eng mit dem König, mit dessen System und damit auch in gewisser Weise mit dem religiösen System verbunden war - es hätte ihn seine ganze Karriere kosten können. Und trotzdem machte er sich auf den Weg: 30 Kilometer zu Fuss in einfachen Sandalen auf staubigen Strassen, es ging den Berg hinauf und der Schweiss tropfte ihm von der Stirn, die Füsse schmerzten.

Zigzag road on a mountain slope
Photo by Cagatay Orhan / Unsplash

Doch er hatte einen Plan: Er würde Jesus einladen und er war sich sicher, dass Jesus seine Einladung nicht ausschlagen würde! Er würde seinem Sohn die Hände auflegen, wie er das schon etliche Male getan hatte, und vielleicht würde sein Sohn ja geheilt!

Um die Mittagszeit fand der Staatssekretär Jesus tatsächlich im kleinen Dorf Kana. Einen Moment mag er noch gezögert haben, vielleicht ging ihm nochmals durch den Kopf, was er alles zu verlieren hatte, doch dann machte er mutig einen Schritt nach vorne, drängte sich durch die Menge und stand dann vor diesem Jesus. Er sagte: "Jesus, bitte komm mit mir, mein Sohn ist todkrank. Bitte heile ihn."

Bittere Abfuhr

Jesus schaute ihn an, schaute die Menschen um ihn herum an und entgegnete ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht." Wie frech! Wie konfrontierend und provozierend ist diese Antwort!

Da steht ein hoher Beamter des Königs vor ihm, stellt ihm höflich eine Bitte, und Jesus antwortet irgendwie herablassend, vielleicht war er genervt? Vielleicht, weil die Menschen immer nur Zeichen und Wunder wollten, aber nicht sahen, wer er wirklich war und warum er auf diese Welt gekommen war? Immer wieder wies er auf die tieferen Realitäten des Himmels hin, doch das wollten die Menschen dann doch nicht hören.

Was beabsichtigte Jesus mit dieser harschen Antwort?
Jesus forderte den Glauben des Staatssekretärs heraus. Er wollte wissen, ob er wirklich bereit war, alles auf eine Karte zu setzen. War er bereit ihm- Jesus- zu vertrauen, oder ging es ihm nur darum, ein weiteres Wunder zu sehen?
Der Staatssekretär stand nun sozusagen mit heruntergelassenen Hosen vor Jesus. Die Leute kannten ihn, er hatte eine höfliche Bitte gestellt, und Jesus hatte ihn mit einer verbalen Ohrfeige abgefertigt. Eigentlich hätte er es nicht nötig gehabt, den ganzen Weg auf sich zu nehmen. Doch so behandelt zu werden, hätte er noch viel weniger nötig gehabt. Er hätte sich verletzt abwenden können. Oder er hätte Jesus beschimpfen können. Er hätte nach Hause gehen können, seinen Sohn begraben und verbittert über diesen Jesus grollen können.


Photo by Nathan Dumlao / Unsplash

Doch seine Reaktion war eine ganz andere. Er war bereits zu weit gegangen. Die Liebe für seinen Sohn bewog ihn dazu, alles in die Wagschale zu werfen. Er kniete sich vor diesem Wanderprediger nieder und flehte ihn an: "Herr, komm herab, bevor mein Kind stirbt!"

Weggeschickt

In diesem Moment bewies der Beamte, dass er bereit war, seinen Status und sein Ansehen loszulassen. Doch das bewog Jesus noch immer nicht dazu, der Einladung des Beamten zu folgen. Noch einmal reagierte er völlig unerwartet. Er sagte: "Geh! Geh nach Hause! Dein Sohn ist geheilt!"

Jesus schickte ihn also weg! Er forderte ihn noch einmal heraus, ihm zu vertrauen. Er forderte von ihm nicht nur, seinen Status und sein Ansehen loszulassen, sondern auch seine Vorstellung, wie Jesus handeln würde und wie sein Sohn geheilt werden würde. Bestimmt hat es in ihm gebrodelt. Aber er glaubte dem Wort von Jesus, und ging.

Ja, er ging einfach weg. Jesus hatte nur ein Wort gesprochen. Aber er glaubte ihm.

Jesus sagte an einer anderen Stelle: "Glücklich sind die, die nicht sehen und doch glauben."

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Photo by Jonatan Pie / Unsplash

Und während es im Herzen des Staatssekretärs noch brodelte und Zweifel ihn plagten, als er wieder einen Fuss vor den anderen setzte und sich auf den langen Weg nach Hause machte, wusste Jesus schon, dass dieser Mann glücklich zu schätzen war. Denn er war mit einem kostbaren Gut unterwegs nach Hause: Er glaubte, ohne es gesehen zu haben.

Und tatsächlich: Als er langsam in die Nähe der Stadt kam, sah er Leute, wie sie ihm entgegen eilten. Sie lachten, sie winkten. Das war ja sein Diener! Er rief ihm zu! Was sagte er? Der Staatssekretär nahm es wie durch dichten Nebel wahr: "Komm schnell, dein Sohn ist gesund!". Sein Herz wollte expoldieren vor Freude! Doch er fühlte sich wie benommen. Seine einzige Frage war: "Seit wann ist er gesund?"
Und die Antwort kam sofort: "Gestern um die Mittagszeit, da hatte dein Sohn plötzlich kein Fieber mehr."

Da wusste der Vater, dass es genau zu dem Zeitpunkt geschehen war, zu dem Jesus zu ihm gesagt hatte: "Geh nach Hause! Dein Sohn ist geheilt." Da glaubte der Staatssekretär an Jesus, er und alle aus seinem Haus. Die Begegnung mit Jesus hat viel mehr in diesem Mann bewirkt als die reine Tatsache, dass sein Sohn wieder lebendig war. Es hat sein Herz verändert.

Die grosse Herausforderung

Jesus möchte uns auch heute begegnen. Wir stehen vor derselben Herausforderung wie dieser Staatssekretär: Können wir Jesus glauben, ohne ihn zu sehen? Können wir ihm glauben, wenn er nur ein Wort spricht?

Jesus hat so viel über uns ausgesprochen: Er sagt, dass wir bedingungslos geliebt sind. Dass wir wertvoll sind. Dass wir angenommen sind, unabhängig von unserer Leistung. Er spricht Wert, wo wir uns wertlos fühlen. Er spricht Hoffnung, wo wir keinen Ausweg sehen. Er spricht Leben, wo wir den Tod spürten. Er spricht diese Worte zu uns durch die Bibel, sein Wort. Er spricht sie zu uns durch andere Menschen. Und er spricht sie im Gebet direkt in unsere Herzen.

Doch die Frage, die dir niemand abnehmen kann, ist: Glaubst du? Glaubst du, auch wenn es nur ein Wort ist?

Ich möchte dich ermutigen, Jesus in dem Moment eine Antwort zu geben - er ist nur ein Gebet weit entfernt!

Silhouette man praying
Photo by Aaron Burden / Unsplash


Das ist der vierte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie dir und mir.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Danke Josua Hunziker für die Inspiration zu diesem Artikel!

Ursi Gasser

Ursi Gasser

Frau, Ehefrau, Familienfrau, Pflegefachfrau mit Weiterbildung auf Intensivpflege, freischaffende Journalistin

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