/ 7 Begegnungen mit Jesus

Mitten im Sturm

Mitten im Sturm fühlen wir uns oft alleine, verlassen und wir denken, dass der Sturm nie mehr aufhört. So erging es zwölf Freunden auf hoher See.

Das ist der fünfte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie dir und mir.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Es war Abend geworden. Ein aufregender Tag lag hinter den zwölf Freunden. So viel hatten sie erlebt! Sie konnten kaum fassen, was da geschehen war und sprachen ununterbrochen darüber, während die Sonne am Horizont unterging.

Etwa 10'000 Menschen waren Jesus in die Berge gefolgt, wo er sie, seine zwölf Freunde oder auch Jünger, wie sie genannt wurden, gebeten hatte, den Leuten zu Essen zu geben. Wie masslos überfordert waren sie gewesen! Doch Jesus hatte einfach die drei Gerstenbrote und zwei Fische eines Jungen genommen und sie vermehrt, so dass die ganze Menge genug zu essen bekommen hatte!
Noch immer konnten sie es einfach nicht glauben. Dieser Jesus... So oft konnten sie ihn nicht verstehen, nicht einordnen, manchmal wirkte er so nahbar und dann wieder nicht. Manchmal erklärte er ihnen alles, manchmal schwieg er. Manchmal stellte er sie auf die Probe! Manchmal überraschte er sie und immer wieder zeigte er ihnen seinen Liebe. Ja, dieser Jesus...

Wo steckte er eigentlich?

Richly colored sky over calm sea water
Photo by v2osk / Unsplash

Verspätet

Er hatte sich zurückgezogen. Nein, eigentlich war er geflohen. Schon seit mehreren Stunden war er unauffindbar. Denn nachdem er so vielen Menschen zu essen gegeben hatte, wollten sie ihn mit Gewalt zu ihrem König machen. Doch das kam nicht in Frage, wusste Jesus! Warum eigentlich nicht?, fragten sich die Jünger. Schon wieder so etwas, das sie nicht verstehen konnten. Ihnen wäre es nur Recht gewesen, wenn Jesus endlich mal was gegen die Unterdrückung durch die Römer unternommen hätte! Doch ihm ging es um anderes. Er sprach immer wieder vom Himmel, von einem anderen Königreich. Eines, das auf dieser Erde sein sollte und doch wieder nicht. Ein unsichtbares Königreich? Die Jünger zuckten mit den Schultern und sahen sich fragend an.

Langsam wurden sie ungeduldig. Sie mussten noch auf die andere Seite des Sees fahren, bevor es dunkel wurde! Doch Jesus kam und kam nicht.
Als sich die Dämmerung über das Land legte, konnten sie nicht länger warten. Der See Genezareth, den sie überqueren wollten, liegt 209 Meter unter dem Meeresspiegel. Keine 50 Kilometer nördlich steht der 2,814 Meter hohe Berg Hermon. Die abends vom Hermonmassiv herabströmende kalte Luft stösst immer wieder mit der vom See hochsteigenden warmen Luft zusammen, das Ergebnis sind heftige Gewitter und Sturmböen. Die professionellen Fischer, wie einige der Jünger von Jesus, kannten diese Wetterkapriolen gut. (Quelle: T. Keller, "Jesus", S. 65)

Seasick
Photo by Michael Dam / Unsplash

Beides traf auch auf Johannes zu: Er war am See Genezareth geboren worden, wo sein Vater das Fischergewerbe betrieb. Johannes war mit Jesus unterwegs und hat seine Erlebnisse aufgeschrieben. Sein Augenzeugenbericht ist uns unverfälscht erhalten geblieben. Er behauptet in seinem Berich an mehreren Stellen von sich selbst, ein Augenzeuge des Geschriebenen zu sein und macht auch eine Reihe von genauen Angaben, die nur von einem solchen stammen können. Allerdings erwähnt er sich nie mit Namen und schreibt auch nicht in der "ich"-Form.

Doch zurück zum Bericht. Es war also höchste Zeit für die Jünger, aufzubrechen! Ob mit Jesus oder ohne ihn, sie durften keine Zeit mehr verlieren. Also stiegen sie ins Boot und ruderten los. Doch es war zu spät! Als sie etwa 5 Kilometer weit gerudert waren, kam ein heftiger Sturm auf.
Die Jünger ruderten und rangen gegen den Wind an, doch es schien hoffnungslos. Sie waren erschöpft von einem langen Tag, die Wellen gingen hoch, sie waren mitten im Sturm und wussten weder ein noch aus.

Nicht allein

Plötzlich schoss einer der Jünger auf. "Da! Schaut!", schrie er gegen den Sturm an. Die anderen versuchten zu sehen, was da war, und tatsächlich: Eine Person kam ihnen auf dem Wasser entgegen! Die Jünger schrien vor Angst. Sie packten einander - halluzinierten sie nun auch noch vor lauter Erschöpfung? Doch nein, der Mann kam näher und näher. Da erkannten sie ihn- es war Jesus. Er rief ihnen zu: "Ich bin es! Habt keine Angst!" Als die Jünger ihn ins Boot nehmen wollten, sahen sie plötzlich das Ufer vor sich - der Hafen, zu dem sie hatten übersetzen wollen. Sie waren am Ziel angekommen.

S I L E N C E
Photo by Mahir Uysal / Unsplash

Johannes beschreibt das Erlebnis, das ich hier in meinen eigenen Worten ausformuliert habe, folgendermassen: "Am Abend gingen seine Jünger zum Ufer hinunter, um dort auf Jesus zu warten. Doch als es dunkel wurde und Jesus noch immer nicht kam, stiegen sie ins Boot, um über den See nach Kapernaum zu fahren. Da überraschte sie auf dem See ein Sturm, der das Wasser aufpeitschte. Sie waren etwa fünf Kilometer weit gekommen, als sie plötzlich Jesus übers Wasser auf ihr Boot zukommen sahen. Sie erschraken fürchterlich, doch er rief ihnen zu: »Ich bin es! Habt keine Angst.« Sie beeilten sich, ihn ins Boot zu holen, und schon war das Boot am Ufer angekommen!"

Wieder hat Jesus hat ein Wunder getan, ein weiteres übernatürliches Zeichen. Einmal mehr ist er seinen Jüngern auf eine neue Art und Weise begegnet: Sie haben ihn als einen Menschen kennengelernt, der sie gegen alle Widerstände ans Ziel bringt! Jesus hat die Macht, Stürmen zu trotzen. Nicht nur den äusserlichen, die um uns herum toben, sondern noch viel mehr den innerlichen in unserem Herzen.

Es ist nicht das einzige Mal, dass Jesus einem Sturm auf dem See Genezareth gezeigt hat, wo der Hammer hängt und dadurch seine Macht bewiesen hat. Timothy Keller schreibt analog zu Meeresstürmen darüber: "Die antiken Kulturen waren sich einig, dass nur die Götter dem Wüten des Meeres gebieten konnten. Das Meer war ein Symbol der unaufhaltsamen Zerstörung. Der tobende Ozean, das war eine Kraft, die niemand ausser Gott beherrschen konnte. Jesus übt diese Macht aus, die Gott allein zukommt." (Quelle: T. Keller, "Jesus", S. 66) Er beweist damit, dass er nicht nur ein Mensch ist, sondern auch Gott. Er ist Gottes Sohn.

This was my first time shooting the sunset and trying to capture that perfect moment. It was comforting to see a row of photographers beside me all trying to capture the same moment, and appreciating the beauty this earth has to offer.
Photo by Jorge Vasconez / Unsplash

Aber rechtzeitig

Jesus lässt Dinge geschehen, die wir nicht verstehen. Weil er nicht auftauchte, haben die Jünger lange und vergeblich auf ihn gewartet. Womöglich war dies sogar der Grund gewesen, warum sie dann in den Sturm geraten waren. Jesus ist genau so unberechenbar wie der Sturm. Er lässt auf sich warten, und dann taucht er plötzlich in einer unmöglichen Situation auf. Jesus handelt oft nicht so, wie wir uns das vorstellen oder wie es in unseren Augen sinnvoll wäre. Aber wenn Jesus Gott ist, dann ist er auch gross genug, um seine Gründe dafür zu haben. Unsere Vorstellung, dass, wenn Gott uns wirklich liebt, er uns nicht leiden lässt, ist schlicht falsch. Jesus kann uns lieben und trotzdem zulassen, dass wir Schlimmes erleben, weil er Gott ist. Weil er den Überblick hat. Weil er inmitten unseres Leidens, inmitten unseres Sturmes plötzlich auftaucht, uns hindurchträgt und uns ans sichere Ufer bringt.

Denn Jesus sagt: Eines Tages werde ich alle Stürme und Wellen stillen. Ich werde das Zerstörende zerstören, den Zerbruch zerbrechen, den Tod töten. Wie kann er das?
Timothy Keller schreibt: "Er kann das nur, weil er sich am Kreuz freiwillig in den Sturm aller Stürme und die Wellen aller Wellen werfen liess, in das tobende Meer der Sünde und des Todes. Jesus wurde in den einzigen Sturm geworden, der unser Schiff wirklich versenken kann - den Sturm der ewigen Gerechtigkeit, der Sühne, die wir für unsere Missetaten schuldig sind. Und dieser Sturm legte sich erst, als er ihn hinweggefegt hatte." (T. Keller, "Jesus", S.72)

Der Sturm legte sich, als Jesus am Kreuz starb und drei Tage später auferstand. Timothy Keller fährt fort: "Wenn sich dieses Bild, wie Jesus sich vor diesem letzten aller Stürme beugte, in unser Herz eingebrannt hat, werden wir nie mehr sagen: "Gott, sind wir dir egal?" Und wenn wir wissen, dass er uns in diesem Sturm aller Stürme nicht verlassen hat, wie können wir dann glauben, dass er uns in den viel kleineren Stürmen, die wir gerade erleben, im Stich lassen wird? Und eines Tages wird er wiederkommen und alle Stürme in Ewigkeit stillen." (T. Keller, "Jesus", S.72)

Wenn wir diese Wahrheit in uns hineinsinken lassen, werden wir wissen, dass Jesus uns liebt.

So wie er seinen Jüngern im Sturm begegnet ist, möchte er auch dir gerade jetzt in allen Stürmen deines Lebens begegnen. Bist du bereit für diese Begegnung? Spricht mit ihm - er ist nur ein Gebet weit von dir entfernt!


Das ist der fünfte Artikel der Serie "7 Begegnungen mit Jesus". Es geht in dieser Serie um Begegnungen von Jesus mit ganz normalen Menschen wie du und ich.

  1. Teil: "Ehre statt Schande"
  2. Teil: "Eine Party mit einem überraschenden Ende"
  3. Teil: "38 Jahre"
  4. Teil: "Nur ein Wort"
  5. Teil: "Mitten im Sturm"

Danke Emanuel Hunziker für die Inspiration zu diesem Artikel!

Ursi Gasser

Ursi Gasser

Frau, Ehefrau, Familienfrau, Pflegefachfrau mit Weiterbildung auf Intensivpflege, freischaffende Journalistin

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