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Die Frage am Tiefpunkt

Petrus war ein enger Freund von Jesus. Als ihre Beziehung für immer zerbrochen schien, stellte Jesus Petrus eine Frage.

Petrus weinte. Er weinte und konnte nicht mehr aufhören.

Er, der grosse Petrus, kam sich nur noch klein und verloren vor. Er, der einst an der Seite seines Helden gestanden und geschworen hatte, mit ihm zu sterben, sass nun da und weinte, während sein Held soeben zum Tod verurteilt worden war.

Wie ein Film zogen all die Begegnungen und Momente mit Jesus an ihm vorbei. Er war sich sicher, dass Jesus der verheissene Messias war. Jesus hatte ihn oft gelobt. Ihm, dem einfachen Fischer, hatte Jesus viel zugetraut. Er hatte ihm sogar einen neuen Namen gegeben: Nicht mehr Simon nannte er ihn, sondern Petrus. Petrus, das bedeutete so viel wie "Felsenmann". Damit konnte Petrus sich identifizieren. Er war stark. Petrus hatte Dämonen ausgetrieben. Durch ihn waren Wunder geschehen. Er hatte sich so gut gefühlt. Er hatte seinen Helden, seinen Jesus, beschützen wollen. Und nun sass er da und weinte, dass sein ganzer Körper bebte.
Warum?


Photo by Emile Guillemot / Unsplash

Vom Felsenmann zum Versager

Jesus hatte Petrus davor gewarnt, dass er ihn verleugnen würde, und Petrus hatte es grosskotzig abgestritten. Hatte sogar behauptet, er würde mit Jesus sterben. Doch soeben war es geschehen. Ja, er hatte es getan! Er hatte Jesus vor einer unbedeutenden Magd verleugnet. Er hatte sogar behauptet, ihn nie gekannt zu haben, dabei war er einer seiner engsten Freunde gewesen! Nicht nur das, Jesus hatte mitbekommen, was Petrus getan hatte, und ihn in dem Moment angeschaut. Ihre Blicke hatten sich gekreuzt. Er konnte keines seiner Worte zurücknehmen. Petrus war verzweifelt. Bitter enttäuscht von sich selbst. Er schämte sich abgrundtief. Hasste sich dafür, was er getan hatte. Er wollte wegrennen und tat es dann auch.

Petrus ging zurück in seinen alten Beruf. Er ging gemeinsam mit seinen Freunden fischen. Nein, er war nicht mehr Petrus. Er war der unbekannte, unbedeutende, kleine, schwache, ärmliche Simon. Er verbrachte Stunden auf dem dunklen See und versank immer tiefer in seinen Schuld- und Schamgefühlen, seiner Angst, Verzweiflung über sich selbst. Jesus war tot und er konnte nichts ungeschehen machen. Wäre er doch mit ihm gestorben, wie er es behauptet hatte! Doch nein, ein Feigling war er. Zu nichts zu gebrauchen. Ein Versager. Elend.

Dem verratenen Freund wieder begegnen

Petrus und seine Freunde fingen keine Fische. Es schien nichts mehr zu funktionieren. Als der Morgen dämmerte, sahen sie jemanden am Ufer sitzen. Der Unbekannte hatte ein Feuer gemacht und rief ihnen zu. Als Petrus erkannte, dass es Jesus war, sprang er ins Wasser und schwamm auf ihn zu.

Was musste wohl in diesem Moment in Petrus vorgegangen sein? Er sah einen besten Freund, seinen Helden, dem er so viel innerlichen Schmerz zugefügt hatte, wieder! Petrus scheute die Konfrontation nicht. Er schwamm direkt auf ihn zu.


Photo by Dexter Fernandes / Unsplash

Was hätte Jesus nicht alles sagen können bei dieser Begegnung! Ich frage mich, was ich gesagt hätte. Was wären meine Worte gewesen, wenn ich meinen engsten Freund, der mir in der dunkelsten, schwersten und verzweifeltsten Stunde meines Lebens nur Ablehnung entgegengebracht hat, wieder getroffen hätte?
Vielleicht hätte ich ihm gerne an den Kopf geworfen: "Was hast du dir dabei gedacht, mich zu verraten?" - "Womit habe ich solche Ablehnung verdient?" Oder zynisch: "Hallo mein Freund, nun kennst du mich also wieder?!" Oder: "Ich habs dir doch gesagt! Ich hab dich gewarnt, dass das geschehen wird! Kannst du mir das erklären?!"

Jesus stellt keine einzige dieser Fragen. Was sagt er?

Simon, liebst du mich?

Jesus fragt: "Simon, liebst du mich?"

Er nennt ihn nicht "Petrus". Er spricht ihn mit "Simon" an. Er spricht den kleinen, jämmerlichen, verzweifelten, entmutigten Simon an. Er will von diesem armseligen Typen wissen, ob er ihn liebt.

Das ist die Frage, die Jesus uns stellt, wenn wir es vermasselt haben. "Liebst du mich?" Er fragt damit: "Worauf basiert denn unsere Beziehung?" Sie basiert nicht auf grossen Taten, auf aussergewöhnlicher Leistung. Nicht auf dem, was wir Jesus bringen können, denn Simon Petrus war am Tiefpunkt seines Lebens angelangt. Jesus macht deutlich, dass die Beziehung zu ihm allein darauf basiert, dass er, Jesus, diese Beziehung möchte. Er möchte nicht erst eine Beziehung mit uns, wenn es uns blendend geht und wir am Höhepunkt angekommen sind. Er möchte von dem kleinen, jämmerlichen, elenden Simon in uns drin geliebt werden. Er wünscht sich unsere Liebe in unserer grössten Schwachheit. Er wünscht sich unsere Liebe am Nullpunkt unseres Lebens. Er wünscht sich gar nicht mehr als das. Er stellt nur die eine Frage.

Handful Of Earth
Photo by FORREST CAVALE / Unsplash

Hinfallen ist nicht das Problem

Hinfallen ist nicht das Problem. Das Problem ist unsere Verzweiflung, unsere Scham, unsere Selbstverurteilung, unsere Selbstdisqualifizierung. Wenn wir da unten angekommen sind, ist es keine Phrase, zu sagen: "Jesus, ich liebe dich". Es ist Kraft in dieser Antwort.

Bist du verzweifelt? In Selbsthass verstrickt? Verurteilst du dich für deine Fehler? Schämst du dich dafür, wie du dich manchmal verhältst? Ich möchte dich ermutigen, Jesus gerade jetzt, in dieser verzweifelten Situation, zu sagen, dass du ihn liebst. Dein Leben wird nicht mehr dasselbe sein.

Erzähl uns von deinem Erlebnis!

Hast du Jesus schon einmal gesagt, dass du ihn liebst? In welcher Situation warst du und was hat es in deinem Leben ausgelöst? Hinterlass hier einen Kommentar und erzähl uns von deinen Erfahrungen! Wir freuen uns darauf, dein Erlebnis zu hören!


Vielen Dank Emanuel Hunziker für die Inspiration zu diesem Artikel!

Ursi Gasser

Ursi Gasser

Frau, Ehefrau, Familienfrau, Pflegefachfrau mit Weiterbildung auf Intensivpflege, freischaffende Journalistin

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