/ Psalm 51

Ein reines Herz

Wie entsteht ein reines Herz, das sich völlig auf die Liebe und Güte Gottes verlässt? Oder anders gefragt: Wie entsteht eine vertrauensvolle Beziehung?

Dieser Artikel ist der 5. Teil einer fortlaufenden Serie mit Gedanken zum Psalm 51.

  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)

Gott, schaffe in mir

Wir kommen zum bekanntesten Vers aus diesem Psalm, der oft zitiert wird und über den Keith Green ein bis heute weitum bekanntes Lied schrieb. Die Bekanntheit ist nicht zufällig. Denn hier trifft David den Kern, der ein Leben mit Gott im Innersten definiert.

Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott; erneuere mich und gib mir die Kraft, dir treu zu sein! Psalm 51,12

Wenn der Baum gesund ist, bringt er gute Früchte hervor.

David bittet Gott um ein Herz, das von sich aus reine Gedanken und Taten hervorbringt, das Gute liebt und tun will und das Böse verabscheut und sich davon abwendet. Mit «Herz» ist das Innerste unseres Seins gemeint - der Sitz unseres Denkens, Wollens und Fühlens. Unser Herz ist wie ein Baum, an dem Früchte wachsen. Wenn der Baum gesund und gut verwurzelt ist, bringt er gute Früchte hervor. Ist der Baum krank, wird dies auch an den Früchten sichtbar.

Früchte Baum
Photo by Tyler Shaw / Unsplash

David bittet Gott, dass er in ihm ein solches Herz «erschafft». Ein gutes Herz. Ein reines Herz mit reinen Motiven und Absichten. Ein Herz, das Gottes Willen tun will. Ein Herz, das keinen Druck von aussen braucht, um das Richtige zu tun, sondern von sich aus richtig und gerecht leben will. Ein Herz, das sich freut, wenn das Böse am Ende verliert und die Gerechtigkeit siegt.

Bedingungslos lieben

David bittet Gott um ein Herz, das fähig ist, bedingungslos zu lieben. Er kommt zum Schluss: Nur Gott kann so ein Herz erschaffen, denn Gottes Wesen ist ganz und gar Liebe. Er hat bereits erfasst, was Paulus später an die Gemeinde in Korinth schreiben wird:

Wenn ich in Sprachen rede, die von Gott eingegeben sind – in irdischen Sprachen und sogar in der Sprache der Engel –, aber keine Liebe habe, bin ich nichts weiter als ein dröhnender Gong oder eine lärmende Pauke. Wenn ich prophetische Eingebungen habe, wenn mir alle Geheimnisse enthüllt sind und ich alle Erkenntnis besitze, wenn mir der Glaube im höchsten nur denkbaren Mass gegeben ist, sodass ich Berge versetzen kann – ´wenn ich alle diese Gaben besitze, aber keine Liebe habe, bin ich nichts. Wenn ich meinen ganzen Besitz an die Armen verteile, wenn ich sogar bereit bin, mein Leben zu opfern und mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts. 1. Korinther 13,1-3

Wir können niemals aus uns selbst heraus unser Herz im Kern zum Guten verändern.

David erkannte: Wir Menschen können die unglaublichsten Dinge vollbringen. Aber niemals können wir aus uns selbst heraus unser Herz im Kern zum Guten verändern. Denn unser selbstsüchtiges, menschliches Wesen gibt jeder noch so selbstlosen Tat einen faulen, verrotteten Beigeschmack. Was uns fehlt, ist die reine, selbstlose Liebe Gottes.

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die Liebe vergeht niemals. 1. Korinther 13,4-8

Herz
Photo by Nick Fewings / Unsplash

Wir brauchen ein von Grund auf erneuertes Herz.

Alle Heldentaten, die David im Vertrauen auf Gott und mit dessen Hilfe vollbrachte, hatten nicht die Kraft, sein Herz nachhaltig zum Guten zu verändern. Wir brauchen mehr als grossartige Erlebnisse mit Gott, auch wenn diese noch so wegweisend und übernatürlich sind. Wir brauchen ein von Grund auf erneuertes Herz, das von Gott – dem Schöpfer aller Dinge – selbst erschaffen und geformt ist.

Im 3. Teil Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8) stellten wir fest, dass die Wurzel jeder bösen Tat Misstrauen gegenüber Gott ist. Wir Geschöpfe misstrauen unserem Schöpfer. Wir behandeln ihn so, als sei er nicht vertrauenswürdig. Wir glauben ihm nicht, wenn er uns sagt, dass er es ausschliesslich gut mit uns meint und alles aus Liebe tut.

Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott; erneuere mich und gib mir die Kraft, dir treu zu sein! Psalm 51,12

Wie entsteht eine vertrauensvolle Beziehung?

Wie schafft Gott ein reines Herz, das sich völlig auf die Liebe und Güte Gottes verlässt und seinem Wort mehr glaubt als allen anderen Stimmen? Wie entsteht eine vertrauensvolle Beziehung? Oder man könnte auch umgekehrt fragen: Wie nicht?

Hand in hand with dad
Photo by Liane Metzler / Unsplash

Urvertrauen

In der Migroszeitung erschien ein Artikel über zwei «Heimkinder», die sich nach 50 Jahren wieder trafen und über ihre schlimmen Erfahrungen sprachen. Die traumatischen Erlebnisse aus ihrer Kindheit trugen beide ein Leben lang mit sich.

«Seit je balanciere ich auf einem Drahtseil. Mir fehlen das Urvertrauen und die Zuversicht von Menschen, die eine behütete Kindheit hatten» Robi Minder, 70 Jahre

«Mir wurde das Selbstbewusstsein als Kind völlig ausgetrieben. Stattdessen lebte ich in enormer Angst. Und auch als Erwachsene versuche ich noch, mich unsichtbar zu machen. Ich hänge im Nirgendwo, ohne Halt.» Diana Bach, 71 Jahre

Gemäss diesen erschütternden Lebensberichten wird das Leben eines Menschen am effektivsten dadurch ruiniert, indem man ihm schon als kleines Kind seine Fähigkeit, zu vertrauen, zerstört. Und genau das, sagt Jesus, ist das Hauptziel des Bösen.

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben. Johannes 10,10

Der gesamten Menschheit fehlt das Urvertrauen zu ihrem Schöpfer.

Die Analyse der Bibel ist eindeutig: Satan hat die Menschheit mit dem Gift des Misstrauens gegenüber Gott vergiftet. Der gesamten Menschheit fehlt das Urvertrauen zu ihrem Schöpfer. Statt uns nach Gott auszustrecken, leben wir in Angst und Schrecken vor ihm. Wir sind dem grossen Irrtum verfallen, dass Gott uns zerstören will. Wir fragen uns: Meint er es wirklich gut mit uns? Will er uns nicht einfach nur herunterdrücken und klein machen? Die frohe Botschaft von Jesus Christus besagt aber genau das Gegenteil. Gott ist nicht der Ankläger der Menschen, sondern ihr Retter, Erlöser und Befreier!

Wer kann die Menschen anklagen, die Gott erwählt hat? Gott selbst spricht sie frei. Wer kann sie verurteilen? Christus ist für sie gestorben, ja noch mehr: Er ist vom Tod erweckt worden. Er hat seinen Platz an Gottes rechter Seite. Dort tritt er für uns ein. Römer 8,33

Christ the Redeemer in Rio de Janeiro - Brazil
Photo by ckturistando / Unsplash

Eines ist offensichtlich: Wir können eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott nicht aus uns selbst aufbauen. Der menschliche Wille alleine genügt nicht. Sonst würde David nicht bitten: «Erschaffe in mir...» Er bittet den Schöpfer deshalb, etwas völlig Neues zu erschaffen - und zwar in derselben Art und Weise, wie Gott das Universum, die Natur und die Menschheit erschuf. Wie tat er das? Durch sein Wort!

Wie Vertrauen entsteht

So wie Eltern liebevoll mit ihrem neugeborenen Kind sprechen, es in den Arm nehmen, es hegen und pflegen, waschen und ernähren, so schafft auch Gottes Weg in uns Vertrauen und Glauben, indem er zu uns spricht und uns in Jesus ganz nahe kommt. Die frohe Botschaft von Christus ist nicht einfach Information. Es sind Worte mit schöpferischer Kraft, die etwas völlig Neues schaffen, das zuvor nicht da war.

Bei der Bibel und der Kirche von Jesus geht es nicht darum, die Menschen mit rhetorischen Phrasen zum Glauben zu überreden, sondern Gott selbst zu Wort kommen zu lassen. In diesem Sinne schreibt Paulus:

Was meine Verkündigung kennzeichnete, waren nicht Überredungskunst und kluge Worte; es war das machtvolle Wirken von Gottes Geist. Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes Kraft. 1.Korinther 2,4-5

Wenn niemand liebevoll mit dem neugeborenen Kind spricht, kann es kein Urvertrauen aufbauen.

Damit ein neugeborenes Kind beginnt, der Stimme seiner Eltern zu vertrauen, muss es ihre Stimme über Monate und Jahre in einer liebevollen und vertrauensvollen Umgebung hören und aufnehmen. Wenn niemand liebevoll mit dem neugeborenen Kind spricht und ihm Geborgenheit und Schutz vermittelt, kann das Kind kein Urvertrauen aufbauen. Genauso ist es mit dem Glauben und Vertrauen aller Menschenkinder in ihren himmlischen Vater.

Der Glaube setzt das Hören der Botschaft von Christus voraus. Römer 10,17

Die Botschaft von Christus ist eine Botschaft der Liebe, Annahme und Vergebung. Sie schafft Nähe zwischen Gott und uns Menschen und hat schöpferische Kraft: Gottes lebendige Worte schaffen Glauben und rufen Vertrauen in unseren Herzen hervor!

Air Happiness
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Der Prophet Amos illustriert diesen Vorgang wie folgt:

Der Löwe brüllt – wer fürchtet sich nicht? Der Herr, der mächtige Gott, redet – wer wird da nicht zum Propheten? Amos 3,8

Wenn ein Bauer im antiken Orient auf dem Feld arbeitete und plötzlich einen Löwen brüllen hörte, dann überlegte er sich nicht zuerst in aller Ruhe: «Hmmm... soll ich jetzt Angst haben oder nicht? Ich hab ja einen freien Willen und kann mich jetzt entscheiden.» Nein, es fuhr ihm durch Mark und Bein, wenn der Löwe brüllte - grosse Angst stieg in ihm hoch. Warum? Weil er wusste: Ein brüllender Löwe ist gleichzusetzen mit einem hungrigen Löwen! Wenn jetzt keine Hilfe kam, dann war es aus mit ihm, denn er hatte kein Gewehr bei sich und kein Auto, um zu fliehen. Das Brüllen des Löwen löste sofort Todesangst im Herzen des Bauern aus - ob er das nun wollte oder nicht.

Gottes Wort hat die Kraft, etwas in uns zu hervorzurufen, das wir nicht aus eigener Kraft bewirken können.

Amos macht hier einen Umkehrvergleich mit Gottes Reden. Und er meint damit nicht, dass Gottes Sprechen etwas Angsteinflössendes sei – ganz im Gegenteil! Es geht darum, dass Gottes Wort eine Kraft hat, etwas in uns zu schaffen und hervorzurufen, das wir selber weder kontrollieren noch aus eigener Kraft bewirken können. Amos wurde nicht Prophet, weil er sonst nichts Besseres zu tun hatte. Nein, die Stimme Gottes wirkte so kraftvoll und mächtig auf seinen Geist, dass er dadurch unweigerlich zum Propheten wurde.

Löwe
Photo by Joshua Hoehne / Unsplash

Wie beim Bauern durch das Brüllen des Löwen sofort panische Todesangst ausgelöst wird, so wird (umgekehrt im positiven Sinne) durch das Wort Gottes – durch die frohe Botschaft von Jesus Christus – ein tiefes Vertrauen in uns hervorgerufen. Das Vertrauen wird von aussen her aktiviert: Gott schafft es in uns durch seine Worte der Liebe und Barmherzigkeit, die auf dem Erlösungswerk von Jesus Christus basieren und in unserem Herzen ein Bewusstsein für seine Güte und sein Wohlwollen schaffen und ein kindliches Vertrauens freisetzen.

Von neuem geboren

Dieser Schöpfungsakt ist so intensiv und bahnbrechend, dass man von einer Wiedergeburt spricht. Jesus sagte zu Nikodemus:

Wer nicht neu geboren wird, kann Gottes Reich nicht sehen und erleben. Joh 3,3

Wie ein neugeborenes Kind durch die sanften Worte und die liebevolle Zuwendung seiner Eltern Vertrauen aufbaut, so bauen wir Menschenkinder Vertrauen zum himmlischen Vater auf, indem wir uns seiner liebevollen Zuwendung hingeben. Seine Worte bringen unser Innerstes zur Ruhe.

Doch wir, die wir ihm vertrauen, werden zu der Ruhe gelangen, die Gott versprochen hat. Hebräer 4,3

Nur ein kraftvoller Schöpfungsakt Gottes kann unser Herz von innen heraus erneuern kann.

David bittet um die totale Neuschaffung seines Herzens. Er hat nach all dem Hässlichen, das er tat, klar erkannt, dass nur ein kraftvoller Schöpfungsakt Gottes sein Herz von innen heraus erneuern kann.

Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott; erneuere mich und gib mir die Kraft, dir treu zu sein! Psalm 51,12

Gott möchte dieses Vertrauen auch in dir und mir erschaffen! Er spricht lebendige Worte zu uns. Empfange die Kraft Gottes, die in deinem Herzen Neues schafft. Ein reines Herz, das Gott glaubt und vertraut, ist keine menschliche Leistung, sondern ein Geschenk der Gnade Gottes, dass er dir und mir schenken will!

geschenk
Photo by Melody Jacob / Unsplash


  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)
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