/ Psalm 51

Nah bei Gott leben

Wie entsteht Nähe zwischen zwei Personen? Was schafft Vertrauen und Offenheit? Was bewirkt Misstrauen und Distanz?

Dieser Artikel ist der 6. Teil einer fortlaufenden Serie mit Gedanken zum Psalm 51.

  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)

Ein privilegiertes Leben

König David wurde von Gott dazu auserkoren, die Nation Israel wieder auf Kurs zu bringen und das geistliche Erbe des Propheten Samuel weiter zu führen. Gott fand in David einen Mann nach seinem Herzen, der bereit war, alle Pläne Gottes umzusetzen. Gott legte seinen Geist auf David und befähigte ihn, die Stimme Gottes zu hören, zu verstehen und die gesamten Nation danach auszurichten.

David lebte und wirkte aus der Nähe zu Gott und überwand so die schwierigsten Umstände seines Lebens.

Gottes Erwählung und Salbung war ein unbezahlbares Privileg für David und er verbrachte unzählige Stunden im Gebet, um sich im Hören auf Gottes Stimme zu üben. Er lauschte dem himmlischen Geflüster. Er schrieb dutzende prophetische Lieder und Gedichte, deren kraftvolle Dynamik bis heute erhalten ist. David lebte und wirkte aus der Nähe zu Gott und überwand so die schwierigsten Situationen und Umstände seines Lebens.

Ponder
Photo by Jeremy Perkins / Unsplash

Das Leben in Gottes Gegenwart wurde für David zur Normalität. Er rechnete täglich und in jeder Lebenslage mit Gottes Nähe. Nah bei Gott zu leben ist nicht auf Kirchebesuche oder Gebetszeiten limitiert. Es ist ein Lebensstil und David lebte diesen Stil wie kaum ein anderer.

Sein gelangweiltes Herz entwickelte sich zu einem fruchtbaren Nährboden für ungesunde Gedanken.

Doch als er so ziemlich alles erreicht und erfüllt hatte, was Gott ihm auftrug, kippte diese gesunde Routine und Normalität in eine gefährliche Form von frustriertem Alltagstrott. Das Leben war eintönig und öde geworden. Die Freude an Gottes Rettung und Erwählung nahm drastisch ab und sein gelangweiltes Herz entwickelte sich zu einem fruchtbaren Nährboden für ungesunde Gedanken. Gedanken wurden zu Worten. Worte wurden zu Taten. David viel tief und verstrickte sich in schwere Sünde. Er bereute seine Tat danach zutiefst und bat Gott aufrichtig um Vergebung. Und Gott vergab ihm sofort.

Doch Vergebung ist nicht gleichbedeutend mit Versöhnung. Vergebung bereinigt die Schuld. Versöhnung stellt die Beziehung wieder her. Vergebung ist eine Entscheidung. Versöhnung ist ein Prozess, bei dem das zerstörte Vertrauen mit viel Geduld und Feingefühl wieder aufgebaut werden muss. Darum bittet David nicht nur um Vergebung, sondern auch darum, dass Gott mit ihm den Prozess der Versöhnung durchläuft:

Verstoße mich nicht aus deiner Nähe und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir! Schenk mir wieder Freude über deine Rettung und mach mich bereit, dir zu gehorchen! Psalm 51,13-14


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Der Wert einer Beziehung

Ist es nicht auch in unserem Leben manchmal so, dass wir den Wert einer Beziehung erst dann zu schätzen beginnen, wenn diese Beziehung zu zerbrechen droht? Wie oft sind wir froh und glücklich über die Versorgung Gottes und die Bewahrung durch seine Schutzengel, aber bringen ihm nie direkt unsere Wertschätzung zum Ausdruck? Wie viele Väter lieben ihre Kinder über alles, aber bringen es bis an ihr Lebensende nie über die Lippen, zu sagen: «Ich liebe dich! Und ich bin so stolz auf dich!»? Wer andere wertschätzt, es ihnen aber nie sagt oder es sonst auf irgendeine kreative Art und Weise zum Ausdruck bringt, wird das Herz seines Gegenübers nicht gewinnen.

Genau darum geht es, wenn wir Gott anbeten und seine Nähe suchen. Wir drücken Gott gegenüber aus, was wir für ihn empfinden. Wir danken ihm für seine Fürsorge und seinen Schutz und alles, was er uns schenkt. Wir loben Gott mit «Du bist»-Aussagen: «Du bist wundervoll!» «Du bist grossartig und einzigartig!» «Keiner ist wie Du!» «Du bist so unschätzbar wertvoll für mich, dass ich dir meine volle Aufmerksamkeit schenke und dir mein ganzes Leben weihe!»

Gibst du Gott die Chance, dir zu zeigen, wie sehr er dich liebt?

Hast du gewusst, dass Gott solche «Du bist»-Aussagen auch über dir ausspricht? Nimmst du dir die Zeit, ihm zuzuhören? Oder bist du so beschäftigt mit dem «Abspulen» deines frommen Lebens und kommst gar nicht dazu, Gottes Nähe zuzulassen? Gibst du Gott in deinem Tagesablauf die Chance, sich dir gegenüber auszudrücken und dir zu zeigen, wie sehr er dich liebt?

Vater und Tochter
Photo by Caleb Jones / Unsplash

Nähe zulassen

Gottes Nähe zuzulassen hängt mit Intimität zusammen. Es fordert mehr von uns als ein Abspulen frommer Rituale und äusserlichem «das macht man halt so»-Gehabe. Es geht darum, sich dem Gegenüber zu öffnen und ohne Vorbehalte zu zeigen, wer man wirklich ist. Wenn wir Nähe zulassen, können wir uns nicht mehr hinter unserer idealisierten Fassade verstecken. Die Wahrheit über unser Sein kommt ans Licht. Das ist nur in einer Beziehung möglich, die von Vertrauen, Schutz und Geborgenheit geprägt ist.

Verstoße mich nicht aus deiner Nähe...

Wie sehr versuchen wir, unsere wahre Identität zu verstecken, um unser Herz vor Ablehnung zu schützen?

Wie oft verstellen wir uns und behängen uns wie Adam und Eva mit «Feigenblättern», weil wir Angst haben vor Gott und denken: «Was er wohl denkt, sagt und tut, wenn er sieht, wie ich wirklich bin?» Wie sehr versuchen wir, unsere wahre Identität vor Gott und unseren Mitmenschen zu verstecken, um unser Herz vor Ablehnung zu schützen? Wie oft konstruieren wir ein Idealbild von uns selbst, um unser verletztes und enttäuschtes Herz dahinter zu verbergen? Wie viele Menschen sind schon an ihren eigenen Idealbildern gescheitert und haben irgendwann auch ihren Glauben an Gott verworfen, weil sie unter der Last ihrer eigenen Erwartungen an sich selbst zusammenbrachen? Erst wenn wir die Masken fallen lassen, die Götzenbilder zerstören, die Idealbilder zur Seite stellen und uns selbst und anderen erlauben, uns einander so zu nähern wie wir wirklich sind - erst dann kann Nähe entstehen.

Venice Carnivale
Photo by Serkan Turk / Unsplash

Auch David schusterte sich ein Idealbild nach seinen eigenen Vorstellungen zusammen, das sich aber schnell als schmerzhafte Falle entpuppte und ihn schlussendlich zu Fall brachte. Dieses selbst gebastelte königliche Idealbild blockierte und zerstörte Davids Beziehung zum lebendigen Gott. Nach seinem tiefen Fall wandte er sich entschlossen von diesem Maskenspiel ab und war bereit, alles loszulassen, um Gottes Nähe nicht zu verlieren.

Leben mit Gottes Geist

...und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.

Als der Prophet Samuel den jungen David zum König salbte, wurde David von Gottes Geist ergriffen und befähigt, das Land Israel von seinen Feinden zu befreien und es nach dem Herzen Gottes zu regieren. Diese Fähigkeit war übernatürlich und darum aussergewöhnlich. David trainierte fortan unter der göttlichen Salbung auf den weit von der Zivilisation abgelegenen Feldern seines Vaters und kämpfte mit Bären und Löwen, um die Ziegen und Schafe seines Vaters zu beschützen. Später schlug er den Riesen Goliath in einem dramatishen Duell und bewahrte dadurch das Volk Israel vor der Versklavung durch die Philister. In jeder Lebenslage schenkte ihm Gott seine Weisheit und Kraft. Alle seine Heldentaten basierten auf der Befähigung durch Gottes Geist.

Gottes Geist spricht und wirkt dann, wenn wir ihm den Raum dazu geben.

Doch der Heilige Geist ist kein Perpetuum Mobile. Die Salbung des Heiligen Geistes garantiert uns kein Gott gefälliges Leben. Gott ist kein diktatorischer Tyrann, der die Menschen wie ein Dämon quält und für seine Zwecke missbraucht. Wir hören Gottes Stimme grundsätzlich nur dann, wenn wir ihm den Raum dazu geben und aktiv zuhören. Alles, was durch Gottes Reden und Wirken entsteht, geht somit auf SEIN Konto: Gott erhält alle Ehre und Anerkennung dafür, nicht wir. Der Heilige Geist hält sich dementsprechend zurück, wenn wir unser eigenes Ding drehen, bei dem WIR gross rauskommen.

World Cup Throphy
Photo by Fauzan Saari / Unsplash

David setzte mit seinen Verbrechen die Nähe zu Gott aufs Spiel. Er sah sich auf einmal im Begriff, so zu enden wie sein Vorgänger König Saul, den Gott wegen seines Ungehorsams verworfen hatte. Darum äussert David diese innige Bitte:

Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir!

Raum schaffen für Gott bedeutet oft auch "Ausmisten", "Entrümpeln" und "Entsorgen".

Ist das auch unsere innigste Sehnsucht und Bitte? Wenn wir beten: «Komm Heiliger Geist, nimm Raum ein in meinem Leben!», dann müssen wir ihm diesen Raum auch geben. Raum schaffen für Gott bedeutet oft auch "Ausmisten", "Entrümpeln" und "Entsorgen". Nur so kann Nähe und Intimität zu Gott entstehen. Denn ohne Gottes Geist ist Nähe zu Gott unmöglich!

Die Freude über Gottes Rettung

Schenk mir wieder Freude über deine Rettung

Die Freude über unsere Erlösung und Rettung ist die sicherste Grundlage für ein kraftvolles Leben in Gottes Nähe! David bekennt, dass er die Freude über sein Heil verloren hatte. Die verloren gegangene Freude hinterliess ein Vakuum in seinem Herzen, das Böses anzog. Infolge sah sich David am Höhepunkt seines Lebens nicht mehr als «Erretteter», der seinem Retter alles verdankt. Er sah sich selbst als grossen Retter Israels, dem alle anderen viel zu verdanken haben - auch Gott, der ja froh sein konnte, David in seinem Team zu haben. David dachte: «In meiner Position liegt ein kleiner Seitensprung schon drin. Ich bin ja die oberste Instanz im Lande: Ich bin der König höchstpersönlich! Ich darf mir jetzt auch mal etwas Aussergewöhnliches gönnen, nach all dem, was ich durchgemacht habe... »

Wir erheben unsere Bedürftigkeit zum Mass aller Dinge und krönen uns selbst zum alleinigen Imperator unseres kleinen Imperiums.

Solche Gedanken bilden einen idealen Nährboden für krumme Geschichten, bei denen wir Gottes Gebote übertreten und eine Disharmonie zwischen uns und dem Himmel kreieren. Solche Gedanken entstehen immer dann, wenn wir die Freude und Dankbarkeit über unsere Errettung in unserem Denken und Fühlen nicht mehr als wertvollstes Gut hochhalten. So wird plötzlich eine Nebensache zur Hauptsache und die Hauptsache zur optionalen Nebensache. Die klare Trennung zwischen Retter und Errettetem, zwischen Schöpfer und Geschöpf und zwischen Gott und Mensch verschwimmt zunehmend und verschwindet mit der Zeit ganz. Wir erheben unsere Bedürftigkeit zum Mass aller Dinge und krönen uns selbst zum alleinigen Imperator unseres kleinen Imperiums. Man nennt das auch Selbstverherrlichung.

Inventor of the korean language.  This is the statue in Seoul South Korea of him.
Photo by Mathew Schwartz / Unsplash

Schenk mir wieder Freude über deine Rettung

Doch David möchte zu seiner sanften, weichen und unbeschwerten Gesinnung zurückkehren, die er ganz am Anfang besass, als er von Gott erwählt wurde. Damals war er voll mit übersprühender Freude und Dankbarkeit über die Nähe zu Gott, der ihn aus der Bedeutungslosigkeit seines Daseins erlöste und ihn in seinen Dienst berief.

Aber eines habe ich an dir auszusetzen: Von deiner anfänglichen Liebe ist nicht mehr viel übrig. Weißt du noch, mit welcher Hingabe du einmal begonnen hast? Was ist davon geblieben? Kehr um und handle wieder so wie zu Beginn. Offenbarung 2,4-5a

Es gibt immer einen Weg zurück an diesen Ort des Anfangs.

Wieder so wie am Anfang. Was war denn am Anfang? Immer, wenn Gott uns Menschen ruft und auserwählt, können wir ihm nichts entgegenhalten, als unser schlichtes "Ja, ich will." Wenn wir diese Ausgangslage im Verlaufe unseres Lebens aus den Augen verlieren, kommt uns dadurch auch die Freude über Gottes Rettung abhanden. Doch es gibt immer einen Weg zurück an diesen Ort des Anfangs. Das ist Gottes Herzschlag für uns Menschen!


Photo by Jon Tyson / Unsplash

Bereit zu gehorchen

... und mach mich bereit, dir zu gehorchen!

Die Bereitschaft, Gott zu gehorchen und das ganze Leben nach Gottes Plan und seinen Absichten auszurichten, ist untrennbar mit der Freude über die eigene Errettung verbunden. Wenn wir auf unserem Weg mit Gott stagnieren und auf Abstand zu ihm gehen, haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit die anfängliche Liebe zu Gott verloren.

Wie sehr war doch David am Anfang bereit, Gott zu gehorchen! Warum? Weil er es als die Chance seines Lebens sah, aus der Bedeutungslosigkeit als Schafhirte auszubrechen und zu jemandem zu werden, auf den Gott, das Volk Israel, seine Familie und nicht zuletzt auch er selbst stolz sein konnten. David bat Gott, ihn wieder zu dieser anfänglichen, hingebungsvollen Liebe zurückzuführen. Eine bedingungslose Liebe, die nur eines will: Gott anbeten und ihm durch einen gehorsamen Lebensstil Ehre und Dank ausdrücken.

Gott lädt uns in seine Nähe ein, damit wir die bestmögliche Lebensqualität auf Erden geniessen können.

Nah bei Gott zu leben ist möglich! Gott möchte uns nahe kommen. Dazu wurde er Mensch in seinem Sohn Jesus und durchlebte alle Herausforderungen des Menschseins. Er zeigte uns das Vaterherz Gottes und beseitigte durch seinen Tod am Kreuz alles, was die Nähe zu Gott verhindert und zerstört. Er bezahlte mit seinem Leben für unsere Schuld und erlöste uns von der ewigen Bedeutungslosigkeit. Wie David lädt er auch uns in seine Nähe ein, damit wir die bestmögliche Lebensqualität auf Erden geniessen und ein sinnerfülltes Leben leben können.


  1. Teil: Wenn Böses ans Licht kommt (Psalm 51,1-3)
  2. Teil: Sauber und rein gewaschen (Psalm 51,4-6)
  3. Teil: Wurzelbehandlung (Psalm 51,7-8)
  4. Teil: Echt und Aufrichtig (Psalm 51,8-11)
  5. Teil: Ein reines Herz (Psalm 51,12)
  6. Teil: Nah bei Gott leben (Psalm 51,13-14)
  7. Teil: Ein Hirte für Sünder (Psalm 51,15-17)
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